Geschichte

Geschichte 2018-08-17T05:50:06+00:00

In der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts wurde eine mächtige Befestigung der Stadt Olmütz geplant und schrittweise verwirklicht. Einer der Komplexe dieser Befestigung war auch die Feste Svatý Kopeček (Heiligenberg), zu der vier Basis-Forts gehören sollten: Nr. I. Toveř (in der Nähe der Kote 418), Nr. II. Radíkov (Kote 444 Zdiměř), Nr. III. Lošov (in der Nähe der Kote 375), Nr. IV. Droždín (in der Nähe der Kote 335) und zwei als A und B bezeichnete Artillerie-Batterien. Als Einziges wurde das Fort Radíkov in den Jahren 1871 bis 1876 errichtet. Die Entwürfe der übrigen Forts wurden zu einfacheren Bauten umgeplant, die erst schnell im Falle eines drohenden Krieges errichtet werden sollten. Das Bauwerk wurde nach dem Entwurf des Projektanten Kapitän Karl Ritter von Peche realisiert, der in der 8. Abteilung des Reichskriegsministeriums in Wien beschäftigt war. Der unregelmäßige sechseckige Grundriss, der an eine Lünette mit stumpfer Stirnseite und bastionsförmiger Kehle erinnert, kann im Prinzip in zwei Teile aufgeteilt werden – in den Kampfraum auf dem außenliegenden Erdwall und in den rückwärtigen Teil, der zwei hintereinander befindliche rechteckige Kasemattentrakte im Ausmaß von 8×60 und 8×80 m umfasst, die als Kehlkaserne für die geplante Besatzung des Forts Radíkov mit 11 Offizieren und 800 Mann dienten (in den historischen Dokumenten wird für den inneren Kasemattentrakt die Bezeichnung „Parados“ verwendet, der äußere Trakt trägt hingegen die Bezeichnung „Kehlgebäude“. Beide Objekte waren einstöckige Bauwerke mit Flachdach, die aus Bruchstein und Ziegeln im Fortifikationsformat errichtet wurden. Deren Innenräume wurden zum Schutz gegen feindlichen Beschuss mit einem widerstandsfähigen Tonnengewölbe aus Ziegeln versehen, das mit einer 30 cm starken Schicht aus unbewehrtem Beton bedeckt wurde (diese Angabe stammt aus der erhaltenen Baudokumentation, die Wirklichkeit ist meist bescheidener) und mit einer starken Erdschicht aufgeschüttet.

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Die hauptsächliche Ausrüstung des Forts sollte in offenen Feuerstellungen auf dem äußeren Erdwall platziert werden, die von der Stirnseite her durch eine vorgelagerte Erdtraverse geschützt und durch Hohltraversen voneinander getrennt waren, zu denen vom Wallrundweg her Anfahrtsrampen zum Transport der Geschütze hinaufführten. In die Traversen waren zweistöckige Kasemattenräume eingelassen, die als Bereitschaftsmagazin für Munition dienten, die aus diesen durch Aufzugsschächte in die Hohltraversen auf dem Wall transportiert wurde. Insgesamt konnten in den Barbetten (Geschützbänken) seitlich und an der Stirnseite des Forts bis zu 26 Geschütze aufgestellt werden, obgleich die volle Besetzung aller Bänke meist nicht in Betracht gezogen wurde. Den Raum vor der Kehle des Forts nahm ein großer Sammelplatz ein und dessen Schutz sicherte die Ausrüstung, die an der Oberfläche der bastionsförmig geknickten Kehlseite platziert war. Zur Verteidigung der Fortkehle waren an den Kehlflügeln sechs Stellungen für Feldgeschütze vorgesehen, wobei der Raum der Sammelstelle, der sich unmittelbar vor dem Eingang zum Fort befand, durch die Artillerie aus weiteren vier Stellungen geschützt werden sollte, von denen sich jeweils zwei an beiden Innenseiten der bastionsförmig geknickten Kehlseite befanden. Aufgrund seiner erhöhten Lage war das Fort Radíkov von einem aus Felsen gebrochenen Trockengraben umgeben, dessen Tiefe vom Kamm des äußeren Erdwalls bis zu dessen Sohle 15 – 20 Meter betrug. Sowohl die Escarpe als auch die Contreescarpe wurden mit Bruchstein armiert, an den Ecken mit bearbeiteten Steinquadern. Nur an den Stellen, an denen sich Felsen befanden, wurden die Bauarbeiten auf deren ledigliche Bearbeitung zu senkrechten Wänden eingeschränkt. Die Verteidigung des Festungsgrabens mit Flankierungsbeschuss wurde sichergestellt durch zwei innere Kaponniere linkerseits und an der Stirnseite des Forts und eine an der rechten Seite, die aus der Escarpemauer in den Graben vorragten und mit dem Inneren des Forts jeweils eigenständig über eine Poterne, die durch den äußeren Haupterdwall führte, verbunden waren. Zwei Poternen führten deshalb symmetrisch aus beiden Seiten des Innenhofes des Forts, wohingegen die dritte Poterne aus dem rechten Hof der Stirnseite hervorkam. Um eine verdeckte Verbindung zwischen dem inneren Kasemattenobjekt der Kaserne (Parados) und allen drei Kaponnieren sicherzustellen, verlief um den Innenhof herum eine geschützte Verbindung (Galerie), aus der heraus alle drei Poternen zu den Kaponnieren führten, wobei diese Galerie von der Kehle des Objekts aus über drei Durchgänge im Parados-Trakt (im Kapitale zu beiden Seiten) zugängig war. Aus ihr heraus erhoben sich auch Rampen zum Wallgang an der Peripherie des Forts. Alle Kaponnieren wurden vorwiegend aus Bruchstein errichtet, lediglich die Leibungen aus sorgfältig bearbeiteten Steinquadern. Ziegel dienten hingegen nur zum Ausmauern der Innenräume, Poternen und verschiedener präziser Elemente (Schießscharten der Infanterie, Lüftungsöffnungen). In jede Schussrichtung der Kaponniere befanden sich zwei Schießscharten, sodass die Verteidigung des Festungsgrabens insgesamt von zehn Geschützen sichergestellt werden sollte.

Obwohl auf die Errichtung von außenliegenden Kaponnieren und tiefen Poternen verzichtet wurde, waren bei der Errichtung dieses Objekts umfangreiche Spreng- und Minenarbeiten im gewachsenen Felsengrund des Hügels notwendig. Laut Anweisung des Reichskriegsministeriums wurden alle diese Arbeiten im Jahr 1872 als Übung der in Olmütz dislozierten Pioniereinheiten des 1. Pionierregiments erfasst, was diese gleichzeitig billiger und schneller machte, als wenn sie einem privaten Unternehmer in Auftrag gegeben worden wären. Außerdem diente deren Ausführung der Vertiefung der Pionierausbildung. Zu diesem Zweck wurde in der Olmützer Festung eine Pionierabteilung gebildet, bestehend aus einem Offizier, vier Unteroffizieren und 52 Soldaten, die später, am 13. Oktober desselben Jahres, auf 109 Truppenpioniere erweitert wurde. Diese arbeiteten, eingeteilt in Gruppen, in zwölfstündigen Tagesschichten.

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Der Bergrücken von Radíkov, auf dem das Fort errichtet wurde, besteht aus hartem grauen Gestein, reich an Feldspat und Chlorid, durchzogen mit Schichten aus Tonerde. Die deckende Erdschicht und das Verwitterungsgestein wurden von zivilen Arbeitern langsam abgetragen. Unter ihnen waren auch Italiener, die hier Familien gründeten. Bis heute gibt es in Radíkov und Umgebung italienische Familiennamen – Krososka und Rella.

Der feste Felsengrund musste durch Sprengung beseitigt werden. Dies geschah durch das Anbohren und schrittweise Absprengen der einzelnen Gesteinsschichten, wobei die Zwischenschichten aus Ton von Hand gelockert und mit Wasser ausgewaschen wurden. Ein großes Problem war die Errichtung des Hauptgrabens, wo das Vertiefen parallel zu den Gesteinsschichten verlief, sodass es nicht möglich war, sie auf oben genannte Weise abzutragen. Also war ein starkes Abböschen notwendig, ggf. ein senkrechtes Durchtrennen der Schichten und deren Versteifung mit zweizolldicken Bohlen und zehnzollstarken Balken, solange nicht deren steinerne Armierung vollständig ausgemauert war. Die Minenarbeiten am Fort Radíkov bezweckten die Errichtung von dreierlei Arten unterirdischer Räume – einer nicht armierten Galerie etwa einen Meter breit und 180 cm hoch, als auch nicht armierter oder mit Steinmauern befestigter Räume in der Breite von fast 4,5 Metern und 320 cm Höhe. Die armierten Räume unterteilten sich noch in solche, die nur dem Druck auf die Decke standhalten sollten und solche, die auch einem Druck auf die Seiten standhalten mussten. Die kleinste nicht armierte unterirdische Galerie wurde in der Länge von 27 Metern lediglich auf der rechten Seite des Forts ausgebrochen, um die Aufgabe eines Entwässerungsstollens zu erfüllen. Außerdem wurde dieses kleinste Profil ebenfalls als Richtstollen bei der Erstellung von Galerien und Räumen in größeren Ausmaßen verwendet. Zwei Galerien mit einem großen Profil und einer Länge von mehr als 15 Metern verbanden das Innere mit den seitlichen Kaponnieren und fungierten gleichzeitig auch als Entwässerungsstollen. Eine weitere Poterne führte ebenfalls durch die Kapitale des Objekts zur Kaponniere an der rechten Seite seiner Stirnseite und weitere Galerien führten durch das Fort quer auf der rechten und linken Seite. Die Gesamtlänge der Galerien mit diesem Profil erreichte im Fort Radíkov 133 Meter.

Die Minenarbeiten erfolgten unter Verwendung von Sprengstoff. An der Spitze wurden mit Gussstahlbohrern, die von einem, zwei oder drei Männern bedient wurden, Öffnungen für Dynamitpatronen gebohrt, ggf. wurden die Öffnungen von Hand ausgestemmt. In manchen Fällen verwendete man außer Dynamit auch Schießpulver. Dynamit war beständiger gegen Feuchtigkeit, aber das Pulver war im Vergleich zu Dynamit wesentlich billiger. Ein Cent Dynamit kostete 133 Gulden, wohingegen ein Cent Schießpulver nur 33 Gulden kostete. Zum Zünden der Ladung wurde für gewöhnlich die Bickford-Zündschnur verwendet, und zwar sowohl in der einfachen Ausführung als auch mit einer Ummantelung aus Kautschuk. Während einer zwölfstündigen Schicht erzielte man bei einer Galerie mit großem Profil einen Vorstoß von durchschnittlich 32 Zentimetern, sofern ein kleiner Richtstollen vorgebohrt war, beim Vertiefen in ein volles Profil stieß man um weniger als 25 Zentimeter vor.

Bis zum Jahr 1876 gelang es, das Fort Radíkov zum größten Teil wirklich aufzubauen, aber keineswegs ganz zu vollenden. Die Bauarbeiten am Fort wurden definitiv durch die Verschiebung in den Beziehungen zu Deutschland eingestellt, gegen welches das Fort eigentlich vorgesehen war. Es sind jedoch noch aus dem Jahr 1881 Baudokumente eines Wohnhauses für 80 Soldaten erhalten, das damals auf dem Sammelplatz vor der Kehle des Forts errichtet wurde.